→ Chronik Baden
Chronik Baden 1869
Alle Staaten der Chronik · Mehr über Baden
Januar
-
6. Januar 1869Der Bürgermeister Stromeyer in Konstanz erhält von der erzbischöfl. Curie in Freiburg die dritte Verwarnung mit deutlicher Excommunicationsandrohung.
-
14. Januar 1869Der Bürgermeister Stromeyer in Konstanz wird von der erzbischöflichen Curie excommunicirt.
-
14. Januar 1869Der Bürgermeister Stromeyer in Konstanz wird von der erzbischöfl. Curie in Freiburg mit der sog. kleinen Excommunication belegt
-
28. Januar 1869Die Regierung leitet gegen den Bisthumsverweser Kübel wegen der von ihm über den Bürgermeister von Konstanz verhängten Excommunication Untersuchung ein
-
28. Januar 1869In Mannheim wird die Frage der confessionslosen Gemeindeschule zur Entscheidung gebracht
Februar
-
3. Februar 1869Die Regierung erläßt eine neue Verordnung über die weltliche Feier der Sonn- und Feiertage, welche diese Feier wesentlich einschränkt.
-
11. Februar 1869Die Nonnen des ohne Bewilligung des Staats errichteten und daher von der Regierung aufgehobenen Klosters auf dem Lindenberg bei Freiburg werden polizeilich ausgewiesen.
März
-
1. März 1869Die römische Curie beharrt darauf, dem Domcapitel von Freiburg eine Ergänzung der Candidatenliste für den erzb. Stuhl zu verbieten. Derselbe bleibt daher noch weiter unbesetzt.
-
Anf. März.Die päpstliche Curie verwirft bez. der Erzbischofswahl die Ansicht der Kapitelsmehrheit, welche sich im Sinne der Regierung für Ergänzung der Candidatenliste ausgesprochen hatte, indem sie sich auf das päpstliche Breve vom 6. Juli 1868 ber…
-
17. März 1869Der Bisthumsverweser Kübel reicht beim Mannheimer Oberhofgericht eine Beschwerde gegen seine Versetzung in Anklagezustand wegen der Stromeyer'schen Excommunicationsangelegenheit ein.
April
-
Anf. April.Die demokratisch-großdeutsche und die ultramontane Partei geben sich die Hand, um durch eine allgemeine Agitation die Einführung des allgemeinen directen und geheimen Stimmrechts und zu diesem Ende hin die Auflösung des gegenwärtigen und d…
-
4. April 1869Die ultramontane und die großdeutsch-demokratische Partei geben sich die Hand zu einer Agitation behufs Einführung des allg. und directen Wahlrechts und Auflösung des gegenwärtigen Landtags.
-
18. April 1869Eine Versammlung der (national-liberalen) Offenburger Partei in Pforzheim spricht sich gleichfalls für Einführung des allgemeinen und geheimen Stimmrechtes aus.
-
22. April 1869Das Oberhofgericht in Mannheim erklärt die Anklage gegen den Bisthumsverweser Kübel in der Stromeyer'schen Ercommunicationsangelegenheit für unstatthaft.
Mai
-
1. Mai 1869Die ultramontane, die großdeutsche und die Volkspartei nehmen die Agitation gegen die Regierung und die Mehrheit der II. Kammer mit allem Nachdruck in die Hand.
-
1. Mai 1869Achtzig angesehene Männer der katholischen Partei erlassen einen Aufruf „an das badische Volk“, worin sie die Begehren der Partei neuerdings formuliren, dem Ministerium Jolly ein entschiedenes Mißtrauensvotum entgegensetzen und „als einzig…
-
7. Mai 1869Dem Aufruf und Programm der katholischen Partei vom 1. d. M. folgt der Aufruf der demokratisch-großdeutschen Volkspartei oder, wie sie sich selber nennt, der „Wahlreformliga“ nebst dem Entwurfe einer Adresse an den Großherzog.
-
9. Mai 1869Zur Unterstützung ihrer Forderungen an die Regierung ordnet die katholische Partei eine allgemeine Agitation und die Abhaltung einer Reihe großer Volksversammlungen an.
-
15. Mai 1869Der von ultramontaner und demokratischer Seite eingeleiteten Agitation gegen den Landtag setzen 131 angesehene Männer aus Mannheim als Vertrauensvotum für die Regierung und die Landtagsmajorität eine „Erklärung“ entgegen.
-
23. Mai 1869Gegenüber der großdeutsch-demokratisch-ultramontanen Agitation schließen sich die Regierung und die Partei der Majorität der II. Kammer wieder enger an einander an.
-
23. Mai 1869Große Landesversammlung der Liberalen in Offenburg. Gegenüber der ultramontanen und demokratischen Agitation gegen die Regierung und den Landtag verständigen sich die eine Zeit lang getrennten Fractionen (der sog. Offenburger und der Regie…
-
25. Mai 1869Abschluß eines militärischen Freizügigkeitsvertrages mit dem nordd. Bunde.
-
29. Mai 1869Der Großherzog erklärt sich entschieden für die Regierung und die sie stützende national-liberale Partei und gegen die ultramontan-großdeutsch-demokratische Agitation, deren Adresse er ablehnt.
-
29. Mai 1869Antwort des Großherzogs auf die Adresse der liberalen Landesversammlung in Offenburg durch Schreiben an den Minister Jolly
Juni
-
10. Juni 1869Beginn der Agitation für die bevorstehenden Landtagswahlen.
-
21. Juni 1869Ein Erlaß des Ministeriums des Innern wiederholt seine vom Capitels-Vikariat bestrittene alleinige Zuständigkeit über die Frage, ob der excommunicirte Bürgermeister Stromeyer nicht mehr gesetzliches Mitglied der katholischen Stiftungscommi…
Juli
August
September
-
7. September 1869Die Regierung greift schließlich in der Excommunicationsangelegenheit des Bürgermeisters Stromeyer in Konstanz sehr energisch durch.
-
24. September 1869Eröffnung des Landtags. Die Thronrede kündigt eine Reihe der wichtigsten liberalen Vorlagen an und spricht sich neuerdings entschieden im Sinne nationaler Einigung aus.
-
24. September 1869Eröffnung des Landtags. Thronrede des Großherzogs.
-
25. September 1869Der ultramontane Abg. Lindau stellt noch vor der Adreßdebatte seinen Antrag.
Oktober
-
1. Oktober 1869Der Adreßentwurf ist in Betreff der deutschen Frage nur eine zustimmende Umschreibung der patriotischen Worte der Thronrede und erklärt mit dieser „die nationale Einigung der süddeutschen Staaten mit dem norddeutschen Bunde als eine Grundb…
-
5. Oktober 1869Die II. Kammer lehnt einen Adreßentwurf der Ultramontanen mit allen gegen die Stimmen der vier Antragsteller ab und genehmigt den Entwurf der Commission im Sinn der Thronrede.
-
5. Oktober 1869Adreßentwurf (von Lamey): „… Wir haben die Worte vernommen, welche zur Begrüßung des zur Lösung wichtiger Aufgaben berufenen Landtags vom Throne gesprochen wurden.
-
11. Oktober 1869Die II. Kammer genehmigt den militärischen Freizügigkeitsvertrag mit dem norddeutschen Bund gegen 3 Stimmen, die I. Kammer einstimmig.
-
21. Oktober 1869Die II. Kammer genehmigt die Festungsverträge der süddeutschen Staaten vom 10. Oct. 1868 und vom 6. Juli 1869 (s. unt. 6. Juli): Der Commissionsbericht bedauert die vielfachen Abschwächungen, entscheidend für sie war aber, daß Art. 10 als …
-
29. Oktober 1869Die II. Kammer beschließt die Einführung des allgemeinen Stimmrechts, behält aber dabei das indirecte Wahlsystem aufrecht.
-
29. Oktober 1869II. Kammer: Berathung der von der Regierung vorgeschlagenen Verfassungsveränderungen und der von der Commission beantragten Modificationen
November
-
2. November 1869Die II. Kammer nimmt die Ausdehnung der schwurgerichtlichen Competenz auch auf politische und Preßvergehen an.
-
2. November 1869Die II. Kammer nimmt die Ausdehnung der schwurgerichtlichen Competenz auch auf polit. und Preßvergehen an.
-
13. November 1869Die I. Kammer nimmt die Verfassungsänderungen, einschließlich der Wahlreform, nach den Beschlüssen der II. Kammer einstimmig an.
-
16. bis 17. November 1869Die II. Kammer nimmt die Einführung der obligatorischen Civilehe und der bürgerlichen Standesbeamtung mit allen gegen 6 Stimmen (5 ultramontane und 1 protest.) an.
-
17. November 1869Die II. Kammer beschließt die Einführung der obligatorischen Civilehe und der bürgerlichen Standesbeamtung.
Dezember
-
3. Dezember 1869Die II. Kammer nimmt das Genossenschaftsgesetz und das Gesetz über das Verfahren bei Ministeranklagen (nach der Fassung der I. Kammer) an.
-
4. Dezember 1869Die II. Kammer stimmt der Einführung der obligatorischen Civilehe und der bürgerl. Standesbeamtung auch ihrerseits bei.
-
14. Dezember 1869II. Kammer: Berathung des neuen Gemeindegesetzes.
-
21. Dezember 1869Die II. Kammer nimmt das Militärbudget ohne wesentliche Abstriche und die Verlängerung des Contingentsgesetzes auf zwei weitere Jahre mit allen gegen die fünf ultramontanen Stimmen an.
-
21. Dezember 1869Die II. Kammer nimmt das Militärbudget ohne wesentliche Abstriche und die Verlängerung des Contingentgesetzes auf 2 weitere Jahre mit allen gegen die 5 ultramont. Stimmen an.