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Frakturschrift lesen lernen.

Frakturschrift lesen lernen – Martin Luther hätte zugestimmt: Die deutschen Buchstaben gehören wieder dazu.

Denn die lateiniſchen Buchſtaben hindern uns über die Maßen, gut Deutſch zu reden.

Martin Luther

„Denn die lateinischen Buchstaben hindern uns über die Maßen, gut Deutsch zu reden." — so lesen sich dieselben Zeilen in der uns geläufigen Antiqua. Am Ende dieser Lernstrecke braucht man die zweite Fassung nicht mehr.

Was die Fraktur ist.

Jeder kennt sie, viele haben sie schon benutzt, um einem Text ein elegantes, wertiges Aussehen zu geben. Als Fraktur bezeichnet man eine Hauptschriftgruppe, die auf dem römischen Alphabet aufbaut und zur Gattung der gebrochenen Schriften zählt. Geläufiger ist ihr zweiter Name: die Deutsche Schrift.

Der Name kommt vom lateinischen fractura, dem Bruch — so wie man in der Medizin den Bruch eines Knochens bezeichnet. Er beschreibt genau das, was das Auge sieht: Die Buchstaben werden nicht in einem Zug geschrieben, die Übergänge innerhalb eines Wortes bleiben unterbrochen, die Rundungen sind gebrochen.

Wer sie lesen lernen will, braucht dreierlei: das Alphabet, die s-Regel — die einzige echte Hürde der deutschen Schrift — und Übung. Genau das liegt auf den folgenden Seiten bereit.

Drei Tatsachen, die kaum jemand kennt.

Über 400 Jahre Verkehrsschrift Vom frühen 16. Jahrhundert bis 1941 war die Fraktur die Buch- und Verkehrsschrift im deutschen Sprachraum. Zur Popularität trugen vor allem die deutsche Bibel und die Flugschriften Martin Luthers bei.
Amtsschrift des Deutschen Reiches Seit der Reichsgründung 1871 ist die Fraktur amtliche Schrift. Die Verfassung von 1871 und die weltweit gerühmte Sozialgesetzgebung des Reiches sind original in ihr gesetzt.
1941 verboten — bis heute Anfang 1941 verbannte ein Erlaß die gebrochenen Schriften aus dem öffentlichen Leben; in den Schulen durfte nur noch lateinisch geschrieben werden. Aufgehoben wurde das Verbot nie.

Jede Hochkultur hat ihre eigene Schrift.

Zur Wahrung der deutschen Identität ist es wichtig, die Texte der größten kulturschaffenden Deutschen in jener Schrift lesen zu können, für die sie geschaffen wurden. Erst in der Deutschen Schrift geben Kunstwerke ihr Wesen und ihre Schönheit so wieder, wie sie gemeint waren — und die Gesetze ihre Geltung so, wie sie gedruckt sind.

Heute ist kaum jemand unter vierzig Jahren noch in der Lage, einen in Fraktur gesetzten Text zu lesen — geschweige denn ein Buch oder ein Gesetz. Wie steht es dann mit dem Verstehen?

Daß Deutsche ihre Schrift und ihre Kultur wiedererkennen und spüren: das müssen, wollen und werden wir ändern. Deutsche Schrift gehört nicht nur in den Geschichts- oder Kunstunterricht — Deutsche Schrift gehört in den Deutschunterricht.

Es iſt unſer Erbe, und es iſt an uns, es zu bewahren.

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