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Chronik Bayern 1874
Alle Staaten der Chronik · Mehr über Bayern
Januar
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13. Januar 1874II. Kammer: verwirft einen Antrag des ultramontanen Abg. Hafenbrädel auf Wiedereinführung des obrigkeitlichen Tarifs für Lebensmittel und genehmigt dagegen einen Antrag des liberalen Abg. Völk, im Bundesrathe auf Beibehaltung der Schwurger…
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20. Januar 1874Bei Berathung des Budgets für 1874 und 1875 nimmt dieselbe einstimmig den Antrag des Ausschusses auf Umbildung des Staatsraths an und genehmigt den Gesetzesentwurf über die Verwendung des Antheils Bayerns an der französischen Kriegsentschä…
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22. Januar 1874I. Kammer: stimmt der Entlastung der Schwurgerichte bei, lehnt dagegen den von der II. Kammer beschlossenen Antrag (Völk), sich im Bundesrath für die Erhaltung der Schwurgerichte zu verwenden, mit 28 gegen 10 Stimmen ab.
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26. Januar 1874Berathung des Budget, Frage der Beibehaltung der Gesandschaften.
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30. Januar 1874II. Kammer: Der Abg. App.-Rath Dürrschmidt interpellirt die Regierung, ob der Cultusminister von den mit Umgehung des Placet erlassenen bischöflichen Hirtenbriefen anläßlich der Reichstagswahlen wisse und darin nicht eine gesetzwidrige, di…
März
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1. März 1874Die sämmtlichen ultramontanen bayer. Reichstagsabgeordneten richten eine Adresse an den König mit der Bitte, „dem von Preußen beantragten Internirungs- und Verbannungsgesetze gegen renitente Geistliche seine Zustimmung zu versagen und dems…
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4. März 1874Die ultramontanen bayr. Abgeordneten zum Reichstag richten von Berlin aus eine Adresse an den König, um ihn zu energischem Auftreten gegen den von Preußen dem Bundesrath vorgelegten Entwurf eines Reichsgesetzes betr. sog. gesperrte Geistli…
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21. März 1874Bundesrath: der Justizausschuß nimmt die Berathung des Civilprozeßentwurfs in Angriff.
April
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9. April 1874Die ultramontanen Blätter beklagen sich, daß die Regierung vorzugsweise als gemäßigt bekannte Geistliche auf die erledigten Pfarreien befördere ohne Rücksicht auf die Vorschläge der Bischöfe.
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10. April 1874Eine vom König eingesetzte Spezialcommission erklärt eine Anerkennung des altkath. Bischofs Reinkens von Seite Bayerns für unmöglich, so lange das Concordat mit dem hl. Stuhle zu Recht besteht.
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10. April 1874Das Kultusministerium veröffentlicht das Rechtsgutachten der dießfalls eingesetzten Commission (Referent Prof. v. Pözl) über die Frage einer Anerkennung des altkath. Bischofs Reinkens von Seite Bayerns
Mai
Juni
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3. Juni 1874II. Kammer: erklärt in Abwesenheit eines Liberalen mit 77 (ultramontanen) gegen 76 (liberale) Stimmen die Beschwerde des Jesuitenpaters Graf Fugger gegen seine Ausweisung als Mitglied einer standesherrlichen Familie für begründet.
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3. Juni 1874II. Kammer: beschließt mit 77 (ultramontanen) gegen 76 Stimmen, daß die Beschwerde des Jesuitenpaters Graf Fugger gegen seine Ausweisung wegen seiner Eigenschaft als Mitglied einer standesherrlichen Familie begründet sei.
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9. Juni 1874Die Regierung legt derselben ein neues Wahlgesetz vor, obgleich es bei den bestehenden Parteiverhältnissen der Kammer nach der dießfälligen früheren Erfahrung nicht wahrscheinlich ist, daß das Gesetz sobald zu Stande komme.
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23. Juni 1874II. Kammer: bewilligt 2 Mill. G. aus der franz. Kriegsentschädigung für Kunstzwecke
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23. Juni 1874Der Antrag des Finanzausschusses, aus den Kriegsentschädigungsgeldern zwei Millionen für Kunstzwecke auszuscheiden und davon 500,000 fl. für den Bau eines Akademiegebäudes in das Budget der jetzigen Finanzperiode einzustellen und den Rest …
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26. Juni 1874II. Kammer: Die ultramontane Partei, unzufrieden mit ihrer bisherigen Rolle während der Session, macht gelegentlich des Budgets einen verzweifelten Versuch, den Cultminister Lutz zu stürzen
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26. Juni 1874II. Kammer: Budgetberathung, Staatsbauwesen. Die ultramontane Partei, mit dem bisherigen Gange der Dinge während der Session und der Rolle, die sie bis jetzt gespielt, unzufrieden, hat im Klub beschlossen, einen Angriff auf den Cultministe…
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27. Juni 1874(Bayern.) II. Kammer: Weitere Etatsberathung: Bei dem Titel für Erbauung einer Industrieschule erklärt der Abg. v. Miller, für den Titel stimmen zu wollen, und motivirt seine gestrige Abstimmung mit der beklagenswerthen Ausdehnung des Club…
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29. Juni 1874II. Kammer: Nachspiel zu den Vorgängen vom 26. d. Mts.
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29. Juni 1874II. Kammer: Budgetberathung, Cultusetat. Nachspiel zu den Vorgängen vom 26. d. M.: Generaldebatte über das Cultusbudget: Kräßer wünscht Kammerauflösung, damit wieder eine Kammermehrheit erzielt werde.
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29. Juni 1874Völk rügt den freiheits= und civilisationsfeindlichen Charakter der jetzt herrschenden Richtung in der katholischen Kirche.
Juli
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1. Juli 1874Die Regierung gestattet dem altkath. Bischof Reinkens den Besuch des Königreichs behufs Spendung des Firmsacramentes trotz aller Reclamationen der römisch-kath. Bischöfe.
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1. Juli 1874Die Regierung erklärt, daß sie einem Besuche Bayerns von Seite des altkatholischen Bischofs Reinkens behufs Spendung der Firmung kein Hinderniß in den Weg legen werde
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3. Juli 1874II. Kammer: lehnt einen Antrag auf Dotirung der Geistlichen altkatholischer Gemeinden mit geringer Mehrheit ab.
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3. Juli 1874II. Kammer: genehmigt im Budget 2,023,174 fl. für Aufbesserung der Lehrergehalte, um 848,850 fl. mehr, als die Regierung verlangt hatte.
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6. Juli 1874stimmt dem Beschlusse der II. Kammer zu, 2 Mill. fl. aus dem auf Bayern entfallenden Theile der franz. Kriegsentschädigung zum Bau eines neuen würdigen Academiegebäudes zu verwenden.
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7. Juli 1874II. Kammer: Debatte über einen von der Regierung geforderten Credit für außerordentliche Bedürfnisse des Heeres.
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11. Juli 1874II. Kammer: nimmt schließlich das Finanzgesetz für die nächsten zwei Jahre mit 121 gegen 6 Stimmen an und zwar auch dießmal noch ohne Steuererhöhung.
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13. Juli 1874Der König begrüßt den Kaiser auf seiner Durchreise nach Gastein in München.
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13. Juli 1874Der Abg. Kraußold interpellirt die Regierung bez. ihrer Absichten gegenüber der von der Generalsynode in Bayreuth am 19. October 1873 beschlossenen Bitte um größere Selbständigkeit.
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15. Juli 18741. Kammer: lehnt den von der II. Kammer gefaßten Beschluß zu Gunsten des Jesuitenpaters Graf Fugger mit 27 gegen 11 Stimmen ab.
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15. Juli 1874I. Kammer: geht in ihren Bewilligungen für das Armeeretablissement noch etwas weiter als die II. Kammer und diese gibt auch dazu mit 80 gegen 46 Stimmen ihre Zustimmung.
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15. Juli 1874I. Kammer: lehnt die von der II. Kammer mit der ultramontanen Mehrheit von 1 Stimme für begründet erklärte Beschwerde des Jesuitenpaters Graf Fugger ihrerseits mit 27 gegen 11 Stimmen ab
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16. Juli 1874Vertagung des Landtags. Die Versuche der ultramontanen Partei, das Ministerium oder doch den Cultminister v. Lutz zu stürzen, sind jämmerlich gescheitert.
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16. Juli 1874Vertagung des Landtags. Das Schwergewicht des Resultats der Session fällt darauf, daß es gelungen ist, das Budget zu Stande zu bringen, daß dagegen der bei dieser Gelegenheit gemachte Versuch der ultramontanen Hälfte der II. Kammer, das Mi…
August
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Anf. Aug.Der Erzbischof von München protestirt gegen die Ernennung des altkathol. Bischofs Reinkens in Bayern, jedoch ohne Erfolg.
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Aug.Die nach München angesagte Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands muß für dieses Jahr unterbleiben in Folge von inneren Zwistigkeiten in der ultramontanen Partei München, zwischen den mehr Gemäßigten und der Partei Sigl.
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Anf. Aug.Der Erzbischof von München protestirt in einer Eingabe an den König in sehr leidenschaftlicher Weise gegen die Firmungsreise des altkatholischen Bischofs Reinkens
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23. August 1874Die General-Versammlung beschließt, zunächst zur Erläuterung der Vereinsstatuten, welche als Bedingung für die Mitgliedschaft „unbezweifelte bayerisch-patriotische Gesinnung“ fordern, Folgendes: „Als bayerisch-patriotisch kann nur der betr…
September
Oktober
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10. Oktober 1874Der „deutsche Kriegerbund München“ beschließt zu großem Verdrusse der ultramontanen Blätter, die denselben für ihre Agitation verwenden zu können geglaubt hatten, folgende Resolution an den deutschen Reichstag zu richten
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12. Oktober 1874Die Königin-Mutter Maria, eine geb. preuß. Prinzessin, tritt zur kath. Kirche über.
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12. Oktober 1874Die Königin-Mutter, eine geborne preuß. Prinzessin, tritt zur kath. Kirche über.
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29. Oktober 1874Das Schwurgericht von Würzburg verurtheilt den Böttchergesellen Kullmann wegen seines mißlungenen Attentats auf den Reichskanzler zu 14 Jahren Zuchthaus.
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29. Oktober 1874Das Schwurgericht verurtheilt den Flaschnergesellen Kullmann, der am 12. Juli in Kissingen das mißlungene Attentat gegen den Reichskanzler gemacht hatte, zu 14 Jahren Zuchthaus und nach erstandener Strafe zu 10 Jahren Entziehung der bürger…
November
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30. November 1874Die bayerischen Schwurgerichte gehen gegen ultramontane Preßausschreitungen sehr streng vor.
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30. November 1874Die Schwurgerichte gehen gegen ultramontane Ausschreitungen sehr streng vor: Pfarrer Mahr wird von einem solchen zu 8, der Redacteur Sigl von einem anderen zu 10 Monaten Gefängniß verurtheilt.