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Chronik Bayern 1870
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Januar
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3. Januar 1870Zusammentritt der Kammern. Die neue II. Kammer zählt 80 Mitglieder der patriotischen, 63 Mitglieder der Fortschrittspartei und 11, die sich keiner der beiden Parteien anschließen.
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6. Januar 1870Der demokratische Abg. Kolb trägt auf Einführung des allgemeinen und direkten Wahlrechts an.
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10. Januar 1870Der Finanzminister legt das Budget für 1870 und 1871 vor; dasselbe erfordert eine Steuererhöhung von 1,521,126 fl.
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10. Januar 1870Mit 82 gegen 47 Stimmen wird in geheimer Sitzung beschlossen, die 7 (liberalen) Wahlen der Stadt München zu beanstanden und die Gewählten vorerst zu suspendiren.
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16. Januar 1870Die Regierung legt der II. Kammer das Budget für 1870 vor.
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17. Januar 1870Feierliche Eröffnung der Landtagssession. Thronrede des Königs: Der Widerstreit entgegenstehender Meinungen hat in der letzten Zeit einen Grad ungewöhnlicher Heftigkeit erreicht.
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19. Januar 1870Der Dompropst v. Döllinger erläßt eine sehr entschlossene Erklärung gegen die von der Mehrheit des Concils geforderte Infallibilitätserklärung des Papstes.
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19. Januar 1870Der Domprobst J. J. v. Döllinger erläßt in der Allg. Augsb. Ztg. unter dem Titel „Einige Worte über die Unfehlbarkeitsadresse“ eine sehr entschlossene Erklärung gegen die Adresse der Majorität des sog. vaticanischen Concils an den Papst
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19. Januar 1870Der Stiftsprobst und Professor J. J. v. Döllinger in München veröffentlicht in der „Allg. Augsb. Ztg.“ eine sehr einschneidende Kritik der Infallibilitäts-Adresse der Concilsmehrheit.
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25. Januar 1870Der Magistrat von München beschließt mit 22 gegen 6 Stimmen, dem Stiftsprobst v. Döllinger, in Folge seiner öffentlichen Erklärung gegen die päpstliche Unfehlbarkeit, das Ehrenbürgerrecht der Stadt zu ertheilen.
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27. Januar 1870II. Kammer: Adreßcommission. Der Regierungs-Commissär, Frhr. v. Völderndorff, erörtert die Frage des casus foederis, also die völkerrechtliche Frage, ob in einem concreten Fall die Verpflichtung Bayerns aus dem Schutz- und Trutzbündnisse m…
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28. Januar 1870Der Reichsrath beschließt mit allen gegen 12 Stimmen eine Adresse an die Krone, die mit den Absichten der patriotisch-katholischen Partei vollkommen Hand in Hand geht und dem Ministerium Hohenlohe ein Mißtrauensvotum ertheilt.
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28. Januar 1870Reichsrath: Adreßdebatte. Der Commissionsentwurf, von dem prot. Oberconsistorialraths-Präsidenten v. Harleß verfaßt, stellt sich ganz auf Seite der kath.-patriotischen Partei und ertheilt dem ganzen Ministerium ein entschiedenes Mißtrauens…
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28. Januar 1870II. Kammer: Beginn der Adreßdebatte. Der Entwurf der patriot. Mehrheit verlangt die Entfernung des Fürsten Hohenlohe.
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30. Januar 1870Der König zieht die Minister und diejenigen Mitglieder des Reichsraths, die gegen die Adresse und gegen das Mißtrauensvotum für die Minister gestimmt haben, demonstrativ zur k. Tafel.
Februar
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1. Februar 1870Der König lehnt es ab, die Adresse des Reichsraths entgegenzunehmen
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Febr.Im protestantischen Theile des Landes entwickelt sich eine sehr heftige Agitation gegen den protestantischen Oberconsistorialpräsidenten v. Harleß
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3. Februar 1870II. Kammer; Fortsetzung der Adreßdebatte
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10. Februar 1870Die II. Kammer ertheilt mit 77 patriotischen gegen 62 liberale Stimmen in ihrer Antwortsadresse auf die Thronrede nicht dem ganzen Ministerium wie die I. Kammer, sondern nur dem Ministerpräsidenten Fürst Hohenlohe ein Mißtrauensvotum.
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10. Februar 1870II. Kammer: Specialdebatte über die Adresse. Rede des Abgeordneten M. Barth über den Adreßantrag der Minderheit (Fortschrittspartei) und die Bedingungen, welche Bayern bei einem Eintritt in den nordd. Bund zu fordern hätte
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12. bis 15. Februar 1870II. Kammer: Schluß der ganzen Adreßdebatte.
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15. Februar 1870Fürst Hohenlohe verlangt seine Entlassung, erhält sie und wird durch den Gesandten in Wien, Graf Bray, ersetzt.
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24. Februar 1870Die Münchener Neuwahlen zum Landtag fallen wiederum entschieden liberal aus.
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24. Februar 1870Die in der „Allg. Augsb. Ztg.“ erscheinenden „Römischen Briefe vom Concil“ erregen ein steigendes Interesse.
März
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Anf. März.Die demokratische Volkspartei und ein großer Theil der patrictischen Partei organisiren eine lebhafte Agitation gegen das neue Wehrgesetz.
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3. März 1870Die drei cassirten Günzburger Wahlen fallen nunmehr patriotisch aus.
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7. März 1870Fürst Hohenlohe wird als Minister des Auswärtigen entlassen. Graf Bray, bayer. Gesandter am österreichischen Hofe, tritt an seine Stelle.
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11. März 1870Der (demokratische) Abg. Kolb, vom Finanzausschuß der II. Kammer zum Referenten über die von der Regierung geforderten außerordentlichen Militärcredite von ca. 6½ Mill. Gulden ernannt, hat sein Referat vollendet
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12. März 1870Der Finanzausschuß bricht dem principiellen Vorgehen seines Referenten Kolb auf den Antrag des einzigen liberalen Mitgliedes, Frhrn. v. Stauffenberg, vorerst die Spitze ab, indem mit 5 gegen 4 Stimmen beschlossen wird, die erste Forderung …
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16. März 1870II. Kammer: Der Finanzausschuß stößt seinen Beschluß vom 12. d. M. wieder um und nimmt das Ausschuss-Referat Kolb's in allen seinen Theilen fast einstimmig an.
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29. bis 31. März 1870II. Kammer: Debatte über den außerordentlichen Militärcredit. Programmrede des neuen Ministers des Auswärtigen, Graf Bray
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30. März 1870Der infallibilistische Bischof von Regensburg verbietet den Studirenden aus seiner Diöcese den Besuch der Vorlesungen Döllingers an der Universität München.
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31. März 1870Die II. Kammer gesteht der Regierung nur einen Theil des geforderten außerordentlichen Militärcredits zu.
April
Mai
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16. Mai 1870Die I. Kammer stimmt dem Beschlusse der II. Kammer bez. außerordentlicher Militärcredite bei, doch unter mehrfacher Erhöhung der betreffenden Posten.
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18. Mai 1870Die II. Kammer schließt endlich ihre langwierigen Debatten über die Rechnungsnachweise von 1866—1868, die der Referent Greil dazu benützt hatte, alle Wünsche und Ausstellungen der patriotischen Partei zur Sprache zu bringen.
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18. Mai 1870Die I. Kammer lehnt die von der II. Kammer (der patriotischen und der Fortschrittspartei) beschlossene Revision des Preßgesetzes ihrerseits ab.
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18. Mai 1870Schluß der langen Debatte über die Rechnungsnachweise von 1866—1868.
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19. bis 21. Mai 1870Debatte über den Antrag des Frhrn. v. Stauffenberg auf Abschaffung der Todesstrafe.
Juni
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1. Juni 1870Die patriotische Partei organisirt in Altbayern einen Adressensturm gegen das siebente Schuljahr der Volksschule.
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Juni 1870Um bezüglich der Wahlgesetzfrage und der Einführung des allgemeinen und directen Wahlrechts voraussichtlich irgend etwas zu Stande zu bringen, setzen die beiden großen Parteien der II. Kammer außerhalb derselben Parteiausschüsse nieder
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Juni 1870Die Protokolle des Finanzausschusses über die Berathung des Militärbudgets und die einschneidenden Anträge des Referenten Kolb liegen nunmehr gedruckt vor
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9. Juni 1870II. Kammer: Beginn der Budgetdebatte. Die patriotische Partei verlangt die eingreifendsten Abstriche, namentlich auch im Militärbudget, um dadurch das Defizit und die in Aussicht stehende Steuererhöhung zu beseitigen.
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9. Juni 1870II. Kammer: Beginn der Budgetdebatte. Greil referirt über den Ausgabe-Etat ausschließlich der Militärausgaben, Kolb über den Militärctat.
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9. Juni 1870Die Kammer genehmigt das provisorische Taxgesetz und damit definitiv die Einführung des neuen Civilprozesses auf den 1. Juli.
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9. Juni 1870Regierung und patriotische Partei geben sich in dieser Frage in particularistischem Interesse die Hand, um dem norddeutschen Bund eine vollendete Thatsache entgegen zu stellen.
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15. Juni 1870General Gräf Vothmer beantragt im Budgetausschusse eine Revision des Militärbudgets
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22. Juni 1870Die I. und II. Kammer einigen sich schließlich über ihre Differenzen bez. der außerordentlichen Militärcredite
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30. Juni 1870Pfarrer Mahr interpellirt die Regierung im Interesse größerer Freiheit zu Gunsten des Jesuitenordens
Juli
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1. Juli 1870II. Kammer: Debatte über die neue Advokatenordnung.
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2. Juli 1870Die von den beiden Parteien niedergesetzten Ausschüsse außerhalb der Kammer haben sich wirklich bez. der Wahlgesetzvorlage behufs Einführung des allgemeinen und directen Wahlrechts geeinigt.
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5. Juli 1870Die liberale Partei ratifizirt, die patriotische Partei verwirft dagegen die von den Parteiausschüssen erzielte Verständigung bezüglich des Wahlgesetzes.
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13. bis 15. Juli 1870II. Kammer. Generaldebatte über den Militär-Etat.
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15. Juli 1870II. Kammer: Fortsetzung der Budgetdebatte, Generaldebatte über den Militäretat
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16. Juli 1870(Bayern) mobilisirt. Ultramontane und demokratische Blätter, die sich aufs heftigste gegen einen Krieg an der Seite Preußens aussprechen, werden mit Beschlag belegt.
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17. Juli 1870In München wird dem König für seinen Entschluß eine großartige nationale Demonstration dargebracht.
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18. Juli 1870Die Regierung verlangt von den Kammern einen außerordentlichen Militärcredit von fast 27 Millionen. Die II. Kammer weist das Begehren an eine überwiegend der patriotischen Partei angehörende Commission.
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18. Juli 1870II. Kammer: Die Regierung zeigt der Kammer an, daß der König am 16. d. M. die Mobilmachung des bayerischen Heeres angeordnet habe und verlangt für dieselbe einen außerordentlichen Credit von 5,600,000 fl., für den Unterhalt des Heers auf K…
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19. Juli 1870II. Kammer: Der Referent Jörg trägt im Namen der Commission darauf an, den von der Regierung geforderten außerordentlichen Militärcredit zu bewilligen, aber nur „zur Aufrechthaltung bewaffneter Neutralität gegenüber den Kriegsereignissen z…
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19. Juli 1870Der Sonderausschuß der II. Kammer entscheidet sich mit 7 gegen 2 Stimmen für Ablehnung der Regierungsvorlage und mit 6 gegen 3 Stimmen für bewaffnete Neutralität.
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20. Juli 1870Die I. Kammer tritt ohne Debatte dem Beschlusse der II. Kammer für Bewilligung des Kriegscredites einstimmig bei.
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22. Juli 1870Der Landtag wird durch k. Entschließung bis auf weiteres vertagt.
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24. Juli 1870Die große Mehrzahl sämmtlicher Professoren und Docenten der Universität München erläßt eine öffentliche Erklärung gegen die Oecumenicität des vaticanischen Concils und gegen das von denselben beschlossene Infallibilitätsdogma.
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24. Juli 187044 Professoren und Docenten der Universität München erlassen eine öffentliche Erklärung gegen die Oecumenicität des vaticanischen Concils und gegen die neue Lehre der päpstl. Unfehlbarkeit.
August
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9. August 1870Die Regierung verbietet den Bischöfen ausdrücklich die Verkündigung der Beschlüsse des Concils, ohne vorher das kgl. Placet dafür eingeholt zu haben.
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9. August 1870Die Regierung verbietet die Veröffentlichung der Concilsbeschlüsse ohne vorgängige Ertheilung des Placetum regium
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Mitte Aug.Die Regierung richtet neuerdings 11 Fragen über den Einfluß des neuen Unfehlbarkeitsdogma's auf die Beziehungen zwischen Kirche und Staat an die theologischen und juristischen Facultäten der Universitäten München und Würzburg
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18. August 1870Die Bischöfe, voran der Erzbischof von München, beginnen die Beschlüsse des Concils zu veröffentlichen, ohne, trotz des ausdrücklichen Verbots der Regierung, das k. Placet eingeholt zu haben.
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18. August 1870Der Erzbischof von München, obgleich er in Rom zur Minderheit des Concils gehört hat, publicirt in einer Beilage zum Pastoralblatt, trotz des ausdrücklichen Verbots der Regierung vom 9. d. M., die Beschlüsse des vaticanischen Concils
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25. August 1870Versammlung einer Anzahl hervorragender katholischer Theologen aus Nord- und Süddeutschland in Nürnberg, um sich über weitere Schritte gegen die Anerkennung der päpstlichen Unfehlbarkeit zu berathen.
September
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1. September 1870Im Anschluß an die Berliner Manifestation vom 30. Aug. (s. unter nordd. Bund) beschließen in München die beiden Bürgermeister, die Vorsitzenden des Gemeindecollegiums, des Gewerbevereins, der Handelskammer, die Vorstände der Bezirksvereine…
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2. September 1870Der Magistrat und die Gemeindebevollmächtigten von München beschließen einstimmig, dem Telegramm der Notabeln vom 1. ds. Mts. an den König von Bayern und der am 30. Aug. in Berlin beschlossenen Adresse an den König von Preußen zuzustimmen.
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5. September 1870Aus allen Städten ꝛc. Bayerns gelangen zahlreiche Beglückwünschungs-Telegramme an den König...
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6. September 1870Der Bischof von Regensburg protestirt in einer Zuschrift an den König gegen den Erlaß vom 9. August, der das kgl. Placet für die Veröffentlichung der Concilsbeschlüsse forderte.
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7. September 1870Die liberalen Bezirksvereine von München fangen an, sich einmüthig und mit Nachdruck den Stuttgarter Resolutionen vom 3. d. M. anzuschließen...
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12. September 1870Das Ministerium beantragt in einem Berichte an den König, mit dem nordd. Bunde über eine nähere Verbindung Bayerns mit demselben in Unterhandlung zu treten.
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12. September 1870Das Gesammtministerium beantragt in einem Bericht an den König, mit dem norddeutschen Bunde über eine nähere Verbindung Bayerns mit demselben in Unterhandlungen zu treten.
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16. September 1870Frhr. v. Schrenck geht zum Ersatz des Grafen Bray als bayer. Gesandter nach Wien ab.
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17. September 1870Die „Allg. Augsb. Ztg.“ veröffentlicht einen Verfassungsentwurf für ganz Deutschland...
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18. September 1870Paris wird von den deutschen Armeen vollständig eingeschlossen.
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19. September 1870Das Gemeindecollegium von München (Magistrat und Gemeindebevollmächtigte) beschließen mit allen gegen 6 Stimmen, folgende Adresse an den König zu richten
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23. September 1870Eine große Volksversammlung in München spricht sich gegen eine von den Socialdemokraten geforderte Abstimmung der Elsässer und Lothringer über einen Anschluß derselben an Deutschland und gegen die Einberufung eines constituirenden deutsche…
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26. September 1870Der gemäßigtere Theil der patriot. Majorität der Abgeordnetenkammer (unter Leitung des Präsidenten Weis) spricht sich in einer Versammlung in München gegen einen Eintritt Bayerns in den bestehenden norddeutschen Bund und dagegen für Auflös…
Oktober
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Oktober 1870Die Regierung zieht (in Folge der durch die Fuldaer Conferenz der Bischöfe vom 31. Aug. (s. nordd. Bund) total veränderte Sachlage) ihre an die theologischen und juristischen Facultäten der Universitäten München und Würzburg gerichteten Fr…
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Oktober 1870In Folge einer Anregung der preuß. Fortschrittspartei für Mitwirkung zur Berufung eines constituirenden deutschen Parlaments ergibt sich, daß die bayerische Fortschrittspartei in ihrer weit überwiegenden Mehrheit gegen diesen Weg ist, um z…
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Oktober 1870Die Adressen für Vereinigung mit Norddeutschland und zwar auf der Grundlage der gegenwärtigen norddeutschen Bundesverfassung haben die Zahl von 1000 überschritten.
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11. Oktober 1870Der extreme Theil der patriotischen Abgeordneten zur II. Kammer (unter Führung des Prof. Greil) tritt in Geiselhöring zusammen
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20. Oktober 1870In einer Versammlung der patriotischen Partei in München macht der Abg. Dr. Sepp folgende Enthüllungen über die Vorgänge innerhalb der Partei am 18. und 19. Juli
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20. Oktober 1870Die Minister v. Bray, v. Pranckh und v. Lutz gehen behufs Unterhandlungen über die deutsche Verfassungsfrage ins Hauptquartier des Königs von Preußen nach Versailles ab
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28. Oktober 1870Der König beglückwünscht den König von Preußen zu der Capitulation von Metz, mit dem Beifügen, die Nachwelt werde ihm den Namen „Wilhelm der Siegreiche“ beilegen.
November
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Anfang November.Der Erzbischof von München fordert von den Professoren der Theologie an der Universität München die Unterzeichnung eines Reverses betr. Anerkennung der Beschlüsse des vaticanischen Concils.
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November 1870Die Bevollmächtigten Bayerns in Versailles erheben für den Anschluß Bayerns an den neuen deutschen Bund ungemein weitgehende Ansprüche.
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November 1870Der Pfarrer Renftle in Mering bei Augsburg protestirt gegen die Anerkennung des vaticanischen Concils und die Unfehlbarkeit des Papstes und wird darin gegen die Zumuthungen des Bischofs von Augsburg von seiner Gemeinde unterstützt.
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November 1870In Folge der ungünstigen Nachrichten über die Unterhandlungen in Versailles bez. der deutschen Verfassungsfrage fassen die Gemeindebehörden von München und Nürnberg sehr demonstrative Beschlüsse.
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16. November 1870Die Nachricht aus Versailles, daß die Verhandlungen in Versailles bez. der deutschen Frage für Bayern zu scheitern drohen
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18. November 1870Die Regierung sieht sich bemüssigt, die Gemeindebehörden von München und Nürnberg darüber zu beruhigen, daß die Unterhandlungen mit dem norddeutschen Bunde keineswegs abgebrochen seien.
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23. November 1870Bayern schließt in Versailles doch auch noch einen Vertrag mit dem nordd. Bunde über seinen Anschluß an denselben ab unter sehr weitgehenden Zugeständnissen an dasselbe.
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23. November 1870Die Bevollmächtigten Bayerns schließen in Versailles doch noch einen Vertrag bez. Anschlusses an den norddeutschen Bund ab
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23. November 1870Die theologische Facultät der Universität München unterwirft sich dem Begehren des Erzbischofs von München mit 6 gegen 3 Stimmen
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23. November 1870Vertrag zwischen dem norddeutschen Bunde und Bayern über die Gründung eines deutschen Bundes d. d. Versailles 23. November 1870.
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28. November 1870Die liberalen Abgeordneten Stenglein, v. Schauß und M. Barth gehen nach Berlin, um ihre Gesinnungsgenossen im norddeutschen Reichstag zur Annahme des bayerischen Vertrags vom 23. Nov. zu bewegen.
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28. November 1870Auch in Kempten rührt sich der im Sommer entstandene Verein der „Altkatholiken“ und richtet eine Zustimmungsadresse an den Pfarrer und die Gemeinde von Mering.
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28. November 1870Der ultramontane Abgeordnete Jörg kündigt in den „hist.-polit. Blättern“ der Regierung die bisher so stark betonte „bayerische“ Treue.
Dezember
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2. Dezember 1870Der Justizminister v. Lutz geht in Angelegenheiten der deutschen Verfassungsfrage nach Berlin ab.
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4. Dezember 1870Der König von Bayern fordert die übrigen deutschen Souveräne sowie die Senate der drei freien Städte auf, beim König von Preußen in Anregung zu bringen, daß die Ausübung der Präsidialrechte mit Führung des Titels eines „deutschen Kaisers“ …
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4. Dezember 1870Der König von Bayern richtet eigenhändige Schreiben an sämmtliche deutsche Souveräne, den König von Preußen ausgenommen, sowie an die Senate der drei freien Städte, mit ihm bei Sr. Maj. dem König von Preußen in Anregung zu bringen, daß die…
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4. Dezember 1870König Ludwig ergreift die Initiative zum definitiven Ausbau der deutschen Verfassung, indem er die übrigen deutschen Fürsten durch eigenhändige Handschreiben einladet, dem König von Preußen statt dem bisherigen Titel eines Bundespräsidente…
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13. Dezember 1870II. Kammer: Die patriotische Majorität nimmt die von dem demokratischen Abgeordneten Kolb geforderte Entlassung nicht an.
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14. Dezember 1870II. Kammer: Die Regierung legt derselben die Verträge mit dem norddeutschen Bunde vor und verlangt einen weiteren Kriegscredit bis Ende März 1871 im Betrage von 41 Mill. fl.
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15. Dezember 1870Die II. Kammer setzt für Prüfung der Verfassungsverträge mit dem nordd. Bunde einen Ausschuß nieder, der überwiegend aus entschiedenen Gegnern derselben zusammengesetzt ist.
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15. Dezember 1870Wahl eines Fünfzehner-Ausschusses für Prüfung der Verträge mit dem norddeutschen Bunde.
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15. Dezember 1870Bischof Reither von Speyer suspendirt einen Caplan wegen Widerspenstigkeit gegen das Unfehlbarkeitsdogma.
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20. Dezember 1870Eine Anzahl zum Theil hochstehender Katholiken in München, an deren Spitze der Oberceremonienmeister des Königs, Graf Moy steht, erlassen folgenden Protest der Altkatholiken.
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21. Dezember 1870Nachdem das ganze Jahr verflossen ist, ohne daß, erst in Folge der von der patriotischen Mehrheit der II. Kammer eingenommenen Haltung und dann durch die eingetretenen Kriegsereignisse, das von der Verfassung geforderte Finanzgesetz für di…
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24. Dezember 1870Der Senat der Universität München beschließt in Folge der Erklärung der theologischen Facultät bez. des Unfehlbarkeitsdogma's, der letzteren einen Verweis zu ertheilen und die ganze Angelegenheit zur Kenntniß des Cultusministers zu bringen
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27. Dezember 1870Die I. Kammer nimmt ihrerseits die Verfassungsverträge mit dem nordd. Bunde mit allen gegen 3 Stimmen an.
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27. Dezember 1870Der erste, zweite und dritte vereinigte Ausschuß beschließt einstimmig, der Kammer die Annahme der Verträge mit dem norddeutschen Bunde zu empfehlen.
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29. Dezember 1870Der Bündnißausschuß beschließt mit 12 (patriotischen) gegen 3 (liberale) Stimmen, der Kammer die Verwerfung der Verträge mit dem norddeutschen Bunde zu empfehlen.
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30. Dezember 1870Die I. Kammer nimmt die Verträge mit dem norddeutschen Bunde ihrerseits mit allen gegen 3 Stimmen an.
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31. Dezember 1870Ein Theil der patriotischen und clericalen Presse erklärt sich mehr und mehr entschieden für Annahme der Verträge durch die II. Kammer.