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Chronik Württemberg 1870
Alle Staaten der Chronik · Mehr über Württemberg
Januar
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3. Januar 1870Der erste Hirtenbrief des neuen Bischofs Hefele spricht sich sehr entschieden für die Aufrechthaltung des bisherigen Friedens zwischen Staat und Kirche aus.
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6. Januar 1870Die Landesversammlung der demokratischen Volkspartei beschließt, einen allgemeinen Sturm gegen das Kriegsdienstgesetz zu organisiren.
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6. Januar 1870Landesversammlung der Volkspartei in Stuttgart: Dieselbe ist von ca. 400 Delegirten aus allen Theilen des Landes besucht und beschließt, einen allgemeinen Sturm gegen das Kriegsdienstgesetz zu organisiren
Februar
März
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6. März 1870Der Landesausschuß der Volkspartei beschließt bez. des vorbereiteten Sturmes gegen das Wehrgesetz, daß in allen Bezirken möglichst zahlreiche Deputationen, aus 10, 12 und mehr Männern bestehend, gewählt werden und sämmtlich an Einem Tage, …
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8. März 1870Eröffnung des Landtags. Die Regierung legt demselben das Budget für die nächste Finanzperiode vor. Die demokratische Partei richtet sofort eine Interpellation an den Minister Varnbüler betr. die Frage des casus foederis mit Preußen
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11. März 1870II. Kammer: Gestützt auf die demokratisch-großdeutsche Agitation gegen das Wehrgesetz stellen diese beiden Parteien einen Antrag auf Herabsetzung der Präsenzzeit und des Militäretats.
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11. März 1870II. Kammer: Gestützt auf die von der Volkspartei organisirte Agitation gegen das Kriegsdienstgesetz bringen 21 Mitglieder der Volkspartei und 24 Mitglieder der sog. großdeutschen Partei folgenden Antrag ein
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12. März 1870Volkspartei und Regierung gerathen vorläufig gelegentlich eines Gesetzesentwurfs über Beschaffung weiterer Geldmittel für den Eisenbahnbau ziemlich hart an einander.
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15. März 1870Die II. Kammer nimmt das von der Regierung vorgeschlagene sehr liberale Dissidentengesetz mit 66 gegen 16 Stimmen an und beschließt, die Regierung um Einleitung zu gesetzlicher Einführung des Grundsatzes zu bitten, daß die Religionsverschi…
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17. März 1870II. Kammer: Der Antrag der vereinigten Volks- und sog. großdeutschen Partei wird an die Finanzcommission gewiesen.
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18. März 1870Die II. Kammer nimmt ein Genossenschaftsgesetz an, das demjenigen des norddeutschen Bundes vollkommen entspricht.
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20. März 1870Von allen Seiten des Landes treffen die Deputationen mit den durch die Agitation der Volkspartei erzielten Adressen gegen das Wehrgesetz in Stuttgart ein.
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21. März 1870Die Agitation der Volkspartei gegen das Kriegsdienstgesetz hat circa 150,000 Unterschriften gegen dasselbe zusammengebracht.
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21. März 1870Das Ministerium Varnbüler bietet in Folge des Adressensturms und der dadurch hervorgebrachten Lage seine Entlassung an.
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22. März 1870II. Kammer: Varnbüler antwortet auf die Interpellation vom 8. März, betr. die Frage des casus foederis.
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24. März 1870Der König modificirt das Ministerium, vertagt die Kammer und zieht das Budget zurück.
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24. März 1870Der König nimmt die Entlassung der Minister Wagner (national), Geßler und Golther (Mittelpartei) an und ernennt den energischen und noch entschiedener als sein Vorgänger national gesinnten General v. Suckow zum Kriegsminister, den ebenso e…
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26. März 1870Erst nachträglich veröffentlicht die Finanzcommission ihren Bericht und Antrag über den Antrag der 45 auf Herabsetzung der Präsenzzeit rc.
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27. März 1870Der neue Minister des Innern, v. Scheuerlen will die in letzter Zeit und gegenüber der Agitation der Volkspartei ziemlich erschlafften Zügel der Regierung etwas schraffer anziehen.
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28. März 1870Der offizielle Staatsanzeiger veröffentlicht folgende Kundgebung des Ministeriums
April
Mai
Juni
Juli
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16. Juli 1870(Württemberg). Eine großartige Volksversammlung in Stuttgart gibt den Ausschlag für die allg. Stimmung.
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17. Juli 1870Der König trifft aus Bad St. Moritz wieder in Stuttgart ein und befiehlt sofort die Mobilisirung der württembergischen Streitkräfte, sowie die Einberufung des Landtags auf den 21. d. Mts.
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17. Juli 1870Der württembergische Minister des Auswärtigen Frhr. v. Varnbüler trifft Abends spät in München ein, conferirt mit dem Grafen Bray und kehrt am folgenden Tage früh wieder nach Stuttgart zurück.
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20. Juli 1870Zusammentritt des Landtags: II. Kammer: Die Regierung erklärt sich entschieden für Eintritt in den Krieg an der Seite Preußens und verlangt dafür einen außerordentlichen Credit.
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22. Juli 1870Die II. Kammer bewilligt den von der Regierung geforderten Militärcredit behufs Eintretens in den Krieg an der Seite Preußens mit allen gegen 1 Stimme.
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22. Juli 1870Die II. Kammer bewilligt den von der Regierung geforderten außerordentlichen Militärcredit mit 85 gegen 1 Stimme.
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24. Juli 1870Der preußische General v. Prittwitz, der Erbauer der Festung Ulm, wird zum Gouverneur derselben, der preußische General v. Obernitz zum Commandanten der württembergischen Feldtruppen ernannt.
August
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31. August 1870Entlassung des Ministers v. Varnbüler
September
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2. September 1870Eine massenhaft besuchte Volksversammlung in Stuttgart nimmt einstimmig Resolutionen an, deren Inhalt im Wesentlichen folgender ist: 1) Das deutsche Volk weist jeden Vermittlungs- oder Einmischungsversuch der neutralen Mächte bei dem Fried…
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7. September 1870Der König erläßt auf die Adresse der Versammlung vom 3. d. als Antwort ein Cabinetsschreiben...
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12. September 1870Der entschieden national gesinnte Kriegsminister v. Suckow wird vom König ins Hauptquartier des Königs von Preußen nach Versailles gesandt.
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29. September 1870Der offiz. „Staatsanzeiger“ dementirt noch nach der Rückkehr des Ministers v. Mittnacht aus München das Gerücht von der Geneigtheit Württembergs, in den norddeutschen Bund einzutreten.
Oktober
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2. Oktober 1870Eine in Canstatt abgehaltene, aus allen Theilen des Landes stark besuchte Notablenversammlung nimmt einstimmig eine Adresse an den König an, worin keine constituirende Versammlung, kein sogenanntes weiteres Bundesverhältniß, sondern der An…
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9. Oktober 1870Der König läßt auf die Adresse vom 2. d. M. der mit Ueberreichung derselben beauftragten Deputation eröffnen: „Nach Vorlegung der in einer Versammlung zu Stuttgart am 3. Sept. d. J. gefaßten Resolutionen haben Se. Maj. der König über Höchs…
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10. Oktober 1870Eine Versammlung der nationalen und der sog. liberalen Mittel- (Regierungs-)Partei beschließt zu Stuttgart einstimmig folgende Erklärung
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17. Oktober 1870Die Kammern werden auf den 21. d. M. einberufen.
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20. Oktober 1870Die Regierung kündigt die Auflösung der II. Kammer und Neuwahlen an behufs Entscheidung in der deutschen Frage.
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21. Oktober 1870Eröffnung des Landtags. Die Regierung verlangt ein Steuerprovvisorium auf 3 Monate und einen weiteren außerordentlichen Militärcredit von 3,700,000 fl.
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22. Oktober 1870Die II. Kammer nimmt das Steuerprovvisorium einstimmig, den neuen Militärcredit mit allen gegen bloß 3 Stimmen an. Die Regierung kündigt die Auflösung der Kammer und die Anordnung von Neuwahlen an.
November
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November 1870Die beiden Bevollmächtigten zur deutschen Verfassungsfrage in Versailles erhalten unerwartet ein kgl. Telegramm, das ihnen die Sistirung des bereits zum Abschlusse reifen Verfassungsentwurfs befiehlt, mit der Anweisung, mit Bayern zusammen…
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18. November 1870Die Bevollmächtigten in Versailles referiren dem König in Stuttgart. Die Uebereinstimmung zwischen dem Hof und der Regierung wird wieder hergestellt.
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19. November 1870Der König unterzeichnet die Instruction für die Bevollmächtigten in Versailles, die sie ermächtigt, auf Grund der Versailler Vereinbarungen den Vertrag über den Anschluß Württembergs an den neuen deutschen Bund zu unterzeichnen, und die Be…
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23. November 1870Abschluß des Vertrags zwischen Württemberg und dem norddeutschen Bunde betr. Beitritt desselben zu dem neuen deutschen Bunde in Berlin
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25. November 1870Württemberg tritt nachträglich dem zwischen dem nordd. Bund, Baden und Hessen abgeschlossenen Verfassungsvertrage doch auch noch bei.
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25. November 1870Die Maßgaben, unter welchen die Verfassung des deutschen Bundes auf Württemberg Anwendung finden, sind folgende: 1) Zu Art. 6 der Verfassung. Im Bundesrathe führt Württemberg vier Stimmen, und es beträgt daher die Gesammtzahl der Stimmen i…
Dezember
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11. Dezember 1870Die Neuwahlen zur II. Kammer ergeben einen entschiedenen Sieg der nationalen und eine Niederlage der demokratischen und der großdeutschen Parteien.
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11. Dezember 1870Das Resultat der Neuwahlen zur zweiten Kammer hat eine totale Niederlage der demokratischen oder Volkspartei ergeben.
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19. Dezember 1870Die Waffengemeinschaft, in welcher Deutschlands Stämme verbunden sind, hat in der Nation den Drang auch nach politischer Einigung mächtig angefacht.
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20. Dezember 1870Die II. Kammer schlägt dem König für das Präsidium drei entschieden national gesinnte Mitglieder vor.
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22. bis 23. Dezember 1870II. Kammer: Debatte über die Verträge mit dem norddeutschen Bunde.
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23. Dezember 1870Die II. Kammer nimmt die Verfassungsverträge mit dem norddeutschen Bunde mit 74 gegen 14, resp. mit 81 gegen 7 Stimmen an.
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29. Dezember 1870Die I. Kammer tritt den Beschlüssen der II. Kammer vom 23. d. M., betr. die Verträge mit dem norddeutschen Bunde, mit allen gegen 3 Stimmen bei, der Resolution IV jedoch nur unter Vorbehalt und der Resolution V gar nicht.
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29. Dezember 1870Die II. Kammer fügt sich ihrerseits dem von der I. Kammer beschlossenen Vorbehalt zu Resolution IV und beschließt, Resolution V einseitig an die Krone zu bringen.
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29. Dezember 1870Karl Mayer, der bisherige Führer der demokratischen Partei, tritt in Folge der Annahme der Verträge und des im Lande eingetretenen Umschwungs von der Redaction des „Beobachters“ zurück.
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30. Dezember 1870Die II. Kammer beschließt, eine Dankadresse über die glückliche Vollendung des deutschen Einigungswerkes an die Krone zu richten.