Leipzig.
Mein Leipzig lob ‘ ich mir, Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.
Hinsichtlich seiner Bedeutung in geistiger Hinsicht galt Leipzig damals für den Mittelpunkt deutscher Wissenschaft und Bildung, auch im Auslande war es dafür bekannt. Der starke Besuch der Universität, über 3000 Studierende, ist das beste Zeugnis dafür, was für eine Meinung man von derselben hatte. Dieser zahlreiche Besuch ist, ganz abgesehen von der Anziehungskraft, welche die Namen einzelner Lehrer ausübten, dem Umstande zuzuschreiben, daß die Stadt mehr als irgend eine andre dem studierenden Jüngling Gelegenheit bot, sich eine allgemeine Bildung anzueignen. Daher sagt Lessing, daß man auf der Universität Leipzigs beinahe nichts so zeitig gelernt habe, als ein Schriftsteller werden.
Auch für Goethe ist der allgemeine Einfluß des Leipziger Lebens auf sein Denken und Empfinden mindestens ebenso merkbar als der einzelner Lehrer. Was ihm Leipzig gewesen, ist hinlänglich bekannt. Er hat für diese Stadt das zum geflügelten Worte gewordene Lob im Faust niedergelegt …
Im nordwestlichen Tiefland ist Leipzig die bedeutendste Stadt und Sachsens Haupthandelsplatz. Ursprünglich war Leipzig ein sorbisches Fischerdorf. Seiner günstigen Lage an dem Kreuzungspunkte der Hauptstraßen, die im Mittelalter Deutschland von Süd nach Nord und von West nach Ost durchzogen, verdankt es seinen Aufschwung. Sachsens Fürsten unterstützten diesen durch Gewährung von mancherlei Vorrechten (Straßen- und Stapelrecht) und Einrichtung großer Märkte, aus denen sich die drei Leipziger Messen entwickelt haben, die Oster-, Michaelis- und Neujahrsmesse. Jetzt sind an Stelle der Straßen Eisenbahnlinien getreten, die von allen Seiten im neuen Leipziger Hauptbahnhofe, einem der größten Bahnhöfe der Welt, zusammenlaufen. Zu diesen Messen werden Waren aller Art und aus aller Welt nach Leipzig gebracht, um hier weiter verhandelt zu werden. Die Hauptrolle dabei spielen Pelzwaren, Leder und Tuch. Ein ungeheurer Verkehr herrscht dann in den Straßen der inneren Stadt. Riesige Plakate, die auf die zum Verkauf stehenden Waren aufmerksam machen sollen, kleben an den Häusern, schweben über der Straße, werden umhergetragen und -gefahren. Händler aus aller Herren Länder sind herzugereist, um Waren zu kaufen oder nach vorgelegten Mustern zu bestellen. Nicht nur für den Warenhandel ist Leipzig eine der wichtigsten Städte, sondern auch für den Buchhandel. Hier wird ein großer Teil der in Deutschland erscheinenden Bücher, Noten, Karten, Zeitungen gedruckt, gebunden und in alle Welt versandt. Zur Buchhändlerstadt ist Leipzig dadurch geworden, daß es bereits im Mittelalter (1409) eine Universität erhielt, die heute eine der ersten und größten in Deutschland und die einzige im Königreich Sachsen ist. In dieser höchsten Schule des Landes werden Geistliche, Richter, Ärzte, Lehrer für höhere Schulen ausgebildet. In Leipzig befindet sich auch das höchste Gericht des Deutschen Reiches, das Reichsgericht. Nicht nur Leipzigs Handel, sondern auch seine Industrie ist bedeutend. Hier bestehen große Buchdruckereien und Buchbindereien, Maschinen- und Pianofortefabriken, Spinnereien und chemische Fabriken. In letzteren werden Seifen und wohlriechende Öle (Parfüms) hergestellt. Die weite Ebene um Leipzig ist oft der Schauplatz großer Schlachten gewesen, so im Dreißigjährigen, im Siebenjährigen Kriege und im Jahre 1813. Am 18. Oktober 1813 wurde die große Schlacht bei Leipzig geschlagen, in der Deutschland endgültig von der Herrschaft Napoleons befreit wurde. Zur Erinnerung daran ist auf dem ehemaligen Schlachtfelde im Süden der Stadt das gewaltige Völkerschlachtdenkmal errichtet worden.
